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KASV Beltershain bei der Inthronisation des Gießener Prinzenpaares

Marcel Schlosser 06.01.2018


Wer ist die/der Schönste im ganzen Land?

Fasching ist, wenn eine Inthronisation auf die Gelenke geht. Denn sobald es sich Prinz und Prinzessin einmal auf ihren Herrscherstühlen bequem gemacht haben, müssen sie eigentlich schon wieder aufstehen – immer wieder: zum Beispiel, um Glückwünsche zu empfangen, Orden zu verleihen oder um den nächsten Programmpunkt zu beklatschen. Es war also nicht nur ironisch zu verstehen, als Jörg Langsdorf, der Präsident der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV), Prinz Arndt I. und Prinzessin Katrin I. am Samstagabend in der zum Thronsaal verwandelten »Kongress-Narrhalla« für einen Augenblick bedauerte: »Ich weiß, so eine Inthronisation ist ganz schön anstrengend.«

Zuvor hatte Langsdorf das neue Prinzenpaar samt Hofstaat – Hofdame Sabine, Adjutant Michael und Oberhofmarschall Frank – feierlich inthronisiert. Das Zepter der Macht erhielt »Seine Tollität Prinz Arndt I.« um Punkt 20.44 Uhr von Prinz Sören I. und Prinzessin Sabrina I., dem scheidenden Prinzenpaar. Derart mit den Insignien der Herrschaft ausgestattet, knöpfte sich der Regent gleich einige heiße Eisen der Stadtpolitik vor. Unter anderem kritisierte er in seiner Proklamationsrede, dass »auch mit dem City-Alkoholverbot, man auf die Nas‹ zu fallen droht«, ehe er der Stadt im Kampf gegen »Wildpinkler« in seiner Funktion als Geschäftsführer des Gießener Toiletten-Mietservice selbstironisch Hilfe anbot: »Wenn euch ein Bedürfnis quält, ihr einfach meine Nummer wählt«.

Wehe, wenn das Outlet kommt...

Gerade mit Blick auf die City gebe es freilich noch dringendere Themen. »Kritisch wird es aber für die Gießener Innenstadt, wenn Pohlheim bald ein Outlet-Center hat«, unkte der Prinz und appellierte an die Oberbürgermeisterin: »Da sind Sie, Frau Grabe-Bolz, nun in der Pflicht, geben Sie dem Seltersweg ein attraktiveres Gesicht!«

Getreu dem Kampagnenmotto »Das A und O der Fassenacht ist Gießen, wenn es singt und lacht« versprachen Arndt I. und Katrin I. für ihre 39-tägige Regentschaft jedenfalls selbst maximalen persönlichen Einsatz – denn »in Gießen soll der Spaß regieren, auch wir wollen uns deshalb nicht zieren«.

Neben zahlreichen närrischen Untertanen machten Prinzenpaare und Faschingsvereine aus allen Teilen des Landkreises den neuen Regenten ihre Aufwartung. Sie alle wurden Zeugen, wie die Gewänder von Prinz und Prinzessin zum kontroversesten Thema des langen Abends wurden. »Er ist der Meinung, er ist der Schönste«, frotzelte zunächst Langsdorf bei der Vorstellung in Richtung des Prinzen. Der erwiderte, er habe sich bei seiner Einkleidung eben ganz genau angesehen, was die Prinzenpaare der vergangenen 15 Jahre modisch zu bieten gehabt hätten, und fügte süffisant hinzu: »Es ist halt Geschmackssache.«

Nach Langsdorfs Kompromissvorschlag, Arndt I. als »einen der Schönsten« in die Annalen eingehen zu lassen, schaltete sich Gerda Weigel-Greilich ein. »Es tut mir leid, aber ich muss dem Prinzen sagen, dass ich die Prinzessin schöner finde«, bekannte die Bürgermeisterin, die als »Regierungsvertreterin« gekommen war. Anschließend schmetterten »Gießen’s Eleven«, der Elferrat der GFV, angeführt von Klaus Papenheim, ein Ständchen für den Hofstaat.

Weitere Glanzpunkte setzten im Laufe des Abends unter anderem die Kadetten, die Tanzmariechen Luna-Marie Hofmann und Jaqueline Schäfer, die Midi Garde sowie – als externe Gäste – die »Sääser Gronze-Blegg Plärrer« und Rick Mayfield als singender Kellner »Pierre aus Paris«.

Quelle: Gießener Allgemeine